Vorbericht. XIII
anmuthige Leidenſchaft hat eine ſo heitere Stimmung, daß ſie dadurch niemand, nicht einmal ſich ſelber zur Laſt fällt. Dieß gibt eine Abſtufung der Empfindungen, welche das Verdienſt des Helden noch mehr hervorhebt, und niemand wird in den Schatten geſtellt.
Clementine ſtellt im Grandiſon ein höchſt rühren⸗ des Gemälde von ſo großer Wirkung dar, daß es bald herz⸗ zerreißend wird.
Indem der Verfaſſer die Tugend ſeines Helden in eine ſehr große Gefahr brachte, über welche er zwar ſeines Sie⸗ ges gewiß war, hat er nicht vermieden, das Mitgefühl ſeiner Leſer auf eine zu ſtarke Probe zu ſtellen, ſo daß es noth⸗ wendig dahin kommen mußte, daß Viele für Clementinen Partei nahmen und ſogar ſo weit gingen die Tugend und die Grundſätze zu verurtheilen, welche die Liebende ſo un⸗ glücklich machten.—
Während dieſer eingeflochtenen Liebe erliſcht in dieſem Romane Richardſons jedes andre Intereſſe; der Charakter der Miß Biron verliert gänzlich ſeine Farbe, der des Hel⸗ den ſelber wird trocken und beinahe hart: die Mittel, wo⸗ durch Gegenſätze geſucht wurden, haben zerſtörend gewirkt, m die Hauptfabel iſt nicht ſo wohl aufgehallen, als ver⸗ nichtet.


