30⁰ 261. Tag.
die Erinnerung, welche ich davon hege, gegenwaͤrtig die Quaal meines Lebens ausmacht.
In der Bezauberung, in welcher meine Leidenſchaft mich feſthielt, verlebte ich vierzehn Tage in Vergeſ⸗ ſenheit der ganzen uͤbrigen Welt, und ſelbſt, wie ich zu meiner Beſchaͤmung geſtehen muß, meiner wichtig⸗ ſten Pflichten, indem ich keinesweges an die Unruhe dachte, in welche mein Vater und meine Mutter mei⸗ netwegen verſenkt ſein mußten.
Endlich, nachdem die Natur allmaͤhlich wieder ihre Rechte geltend machte, begann ich traurig an den Schmerz zu denken, welchem die mich ſo zaͤrtlich lie⸗ benden Urheber meiner Tage, nothwendig hingegeben ſein mußten. Es entſchluͤpften mir einige Seufzer, welche aus dem Grunde meines Herzens kamen, und die neue Stimmung meiner Seele malte ſich auf mei— nem Antlitze. Meine aufmerkſame Gattinn gewahrte bald die Unruhe meines Gemuͤths; ſie entwand mir das Geheimnis, und indem ſie an meinem Kummer Theil nahm, eroͤffnete ſie mir auch ſelber einen Weg, mich davon zu befreien.
„Geliebter Haleſchalbeh,“ ſagte ſie zu mir,„ich lobe deine Anhaͤnglichkeit an deinen Vater und deine Mutter, ſie ſind mir theuer um deinetwillen: wir haben uns zwar Geſetze auferlegt, aber wir ſind auch ſelber die Richter derſelben; ſie duͤrfen nicht die Natur verletzen: geh heim zu deinen Aeltern, und bleib


