Die unbekannte Dame. 27
ich wuͤnſche, mich fuͤr immer mit euch zu verbinden: wollt ihr mir nun das Opfer eurer Freiheit bringen?“
„Herrinn,“ antwortete ich ihr,„eure Reize haben ihre Wirkung auf mich nicht verfehlt, ſeit dem erſten Augenblicke, da ihr mir erſchienet. Ich ſah euch nie⸗ mals, ohne eine unbegreifliche Unruhe zu empfinden, die gleichwohl mit ſuͤßem Vergnuͤgen gemiſcht war; niemals verließet ihr mich, ohne mir innige Sehnſucht zu erregen: indem ich jeden Tag euch erwartete, war ich unaufhoͤrlich mit euerm Bilde beſchaͤftigt. Ich wagte es nicht, mir ſelber meine Leidenſchaft zu geſtehen: aber weil ihr mir nun durch das Geſtaͤnd⸗ nis eurer Liebe zuvorkommet, ſo ſchwoͤre ich euch, daß die Lebhaftigkeit meiner Gefuͤhle mit nichts zu vergleichen, und daß das Opfer der Freiheit fuͤr den⸗ jenigen etwas ſehr geringes iſt, der gern ſein Leben fuͤr euch hingaͤbe.“
„Ah, Haleſchalbeh,“ erwiederte ſie mir,„die Wahrheit ſcheint eurem Munde zu entſtroͤmen! Gebet nicht euer Leben hin, es iſt zu meinem Gluͤcke noth⸗ wendig. Aber wenn wir uns fuͤr immer mit einander verbinden ſollen, ſo hoͤret jetzo die Bedingungen, welche mit dem Beſitze meiner Perſon und meines Herzens unerlaͤßlich verknuͤpft ſind..
Ihr duͤrft meinen Namen und meinen Stand nicht wiſſen, bis gewiſſe Umſtaͤnde, welche ich beruͤckſichti⸗ gen muß, mich in den Stand ſetzen, euch oͤffentlich als


