26 260. T a g. Zweihundert und ſechzigſter Tag.
Bei ihrem Anblicke ſtand ich faſt beſinnungslos da; aber augenblicks wich dieſer erſte Eindruck der Liebe, und meine Leidenſchaft gewann vollends die Herrſchaft uͤber mich, deren Gewalt mir noch gegenwaͤrtig, je⸗ den Augenblick meines Lebens, Quaalen bereitet, welche grauſamer ſind, als der Tod.
Die ſchoͤne Unbekannte ging mit mir, jeder von zwanzig Sklavinnen begleitet, in das zur Hochzeitfeier bereitete große Zimmer, wo wir uns beide auf ein Sopha niederließen.
Die Alte erſchien jetzo mit vier Sklavinnen, die auf goldenen Schuͤſſeln allerlei Erfriſchungen, Einge⸗ machtes und Fruͤchte brachten, von denen wir uns gegenſeitig darboten. Darnach verſchwand alles, und wir blieben allein. 3
Ich zitterte faſt; meine reizende Unbekannte aber beruhigte mich, und indem ſie mich bei der Hand faßte, ſagte ſie zu mir:
„Haleſchalbeh, ich liebe euch von dem Tage an, da die Neugier mich in euern Laden zog; daſſelbe Gefuͤhl fuͤhrte mich mehrmals dahin zuruͤck, unter dem Vorwande, Stoffe einzukaufen. Der kleine Handel, welchen wir mit einander getrieben haben, hat mir Gelegenheit gegeben, euch kennen zu lernen, und hat nur meine Neigung vermehrt, in dem Maaße, daß


