259. Tag.
verſtaͤndig, und geduldet euch bis zur Nacht, wo al⸗ les zur Vollendung der Feierlichkeit bereit ſein wird.“
Ich blieb alſo in dem Saale; eine Menge von Sklaven war auf meine geringſten Bewegungen auf⸗ merkſam, um allen meinen Wuͤnſchen zuvorzukommen. Ich befand mich in einem ſeltſamen Zuſtande: ich fuͤhlte, ſo zu ſagen, nicht mehr die Gewalt der Lei⸗ denſchaft, welche mich ſo leichtſinnig, mit verbunde⸗ nen Augen, hiehergefuͤhrt hatte; die Liebe hatte ſich auf den Grund meines Herzens zuruͤckgezogen, erſtaunt uͤber den Glanz um mich her und uͤber das Gepraͤnge dieſer ſonderbaren Heirat.
Gegen Abend trug man mir ein herrliches Mahl auf, allerlei eingemachte Sachen und koͤſtliche Weine; ich machte nur ſehr maͤßigen Gebrauch davon. So bald ich ein Zeichen gegeben, daß man abtragen koͤnnte, kam die Alte, nahm mich bei der Hand und fuͤhrte mich ins Bad. Hier wurde ich von acht mit Seidenzeug bekleideten ſchoͤnen Sklavinnen empfan⸗ gen: ſie huͤllten mich in eben ſolches Zeug, traten mit mir ins Waſſer, und bedienten mich mit ſolcher Aufmerkſamkeit und Ehrerbietung, als wenn ich der Chalyf ſelber geweſen waͤre.
Ihr koͤnnt euch denken, mein ehrwuͤrdiger Derviſch, wie groß mein Erſtaunen uͤber dieß alles war! ich war faſt ganz verdutzt davon. Ich wurde aber bald durch


