Die unbekannte Dame. 19
mitgebrachte Zahlung mitnahm, gegen zehntauſend Thaler ſchuldig war: ſo viel als ungefaͤhr der ganze Gewinn betrug, welchen ich in den verſchiedenen Ge⸗ ſchaͤften mit ihr gemacht hatte.
Eines Tages, als ich eben mein Waarenlager geoͤffnet hatte, und auf meinem Sopha ſaß, trat eine alte Frau zu mir herein; ich glaubte, ſie ſuchte Pelzwerk oder Stoffe, und wollte ihr dergleichen vor⸗ legen laßen.
„Mein Sohn,“ erwiederte ſie mir,„ich habe ei⸗ nen Auftrag von ganz andrer Wichtigkeit an euch; ich komme zu euch im Namen der jungen Dame, die euch zehntauſend Thaler ſchuldet. Ich bringe euch nicht eure Bezahlung, bin aber beauftragt, euch von ihr zu ſagen, daß ſie bloß deshalb vor allen anderen Kaufleuten in Bagdad bei euch allein ihren Bedarf an Stoffen entnommen hat, weil. ihr Herz euch einen Vorzug andrer Art einraͤumte: Mit Einem Worte, mein Sohn, ſie iſt ſchoͤn, jung und reich, und wuͤnſcht ſich mit euch zu vermaͤhlen. Wenn ihr ſie demnaͤchſt geſehen und mit ihr geſprochen habt, und dieſer neue Handel euch anſteht, ſo ſoll der ganze Brautſchatz, den ihr zu entrichten habt, in den zehntauſend Tha⸗ lern beſtehen, welche ſie euch ſchuldig iſt: wenn nicht, ſo ſollen ſie euch ausgezahlt werden, und ihr koͤnnt ſie heimtragen. Um mich aber in den Stand zu ſetzen,


