Teil eines Werkes 
5. Bd. (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die unbekannte Dame. 17

Meine Mutter gewahrte bald meinen Kummer; ſie wußte mir geſchickt das Geſtaͤndnis deſſelben zu entlocken, und troͤſtete mich, ſo viel ſie konnte:

Der Kaufmann, der nicht zu verlieren weiß, ſagte ſie zu mir,verdient auch nicht zu gewinnen: wenn du etwa bei der Berechnung mit dem Vater in Verlegenheit koͤmmſt, ſo ſoll meine Boͤrſe dir aus⸗ helfen.

Voll Verdruß, ſo angefuͤhrt zu ſein, und uͤber den erlittenen Verluſt, begab ich mich am folgenden Mor⸗ gen nach meinem Laden. Indeſſen war ich nicht ganz ohne Hoffnung, daß die Dame wiederkommen wuͤrde: aber der Abend kam heran, ohne daß ſie er⸗ ſchien. Dieſem truͤbſeligen Tage folgten noch zwei andere aͤhnliche, und meine Mutter ſah meine Be⸗ truͤbnis zunehmen, ohne daß ſie dieſelbe zu heilen vermochte.

Sie mochte mir noch ſo viel wiederholen, daß ſie den Verluſt aus ihrer eigenen Boͤrſe decken wollte; daß ich dieß Begegnis als ein nuͤtzliches Ungluͤck be⸗ trachten muͤßte, weil der Menſch nur durch Schaden klug werde: alle ihre Reden waren fruchtlos, und nichts konnte mich daruͤber troͤſten, daß ich mich durch zwei ſchoͤne Augen, durch Prunk und glatte Worte hatte hinters Licht fuͤhren laßen: meine gekraͤnkte Ei⸗ telkeit ſchmerzte mich tief.

V.

2