258. T a g.
ſelbſt zu ſchaͤtzen weiß,— als ob ihr zweifelt, daß er es ſich zur Ehre anrechnet, einer Dame, wie ihr ſeid, eine ſolche Kleinigkeit zu borgen.“
Die Rede dieſer Frau, der Eindruck, welchen die ſchoͤnen Augen ihrer Gebieterinn unter ihrem verſcho⸗ benen Schleier gemacht hatten, bewirkten, daß ich nicht nur nicht wagte, meine Bezahlung zu fordern, ſondern mich auch nicht einmal nach dem Namen der Dame erkundigte, der ich dieſe Summe borgte. Nachdem ſie ſehr hoͤflich Abſchied genommen hatte, verließ ſie mich, und ich blieb an meiner Thuͤre ſte⸗ hen, wie eine Bildſaͤule, ohne daß ich die Vorſicht gebrauchte, ihr einen Sklaven nachzuſchicken.
Als ich allein war, fiel mir die Unvorſichtigkeit, zu welcher ich mich hatte hinreißen laßen, aufs Herz: Wem hatte ich meine Waaren uͤberliefert? Wie konnte ich der Warnungen meines Vaters vergeſſen, daß Bagdad von Abenteurern wimmelt, die alle moͤglichen Geſtalten anzunehmen und alle Rollen zu ſpielen wiſ⸗ ſen? Jetzo ward mir alles verdaͤchtig, bis auf die ſchoͤnen Augen, welche man mich hatte ſehen laßen. Ich hielt mich fuͤr betrogen, und als ich am Abend wieder nach dem Hauſe meines Vaters kam, zitterte ich, die Vorwuͤrfe zu hoͤren, welche ich verdient zu haben glaubte.“


