Die unbekannte Dame. 7
mit beiden Haͤnden feſthaltend, wieder zu dem Cha⸗ lyfen, und erzaͤhlte ihm ſein klaͤgliches Abenteuer.
Zweihundert und ſechs und funfzigſter Tag.
„Es iſt mir laͤngſt geſagt,“ ſprach Harun lachend, „daß man ſich am meiſten vor den Narren huͤten
muß, die einen Anſtrich von Weisheit haben.— Nun
iſt die Reihe an dir, Giafar,“ ſagte er zu ſeinem Großveſyr,„du biſt zum voraus gewarnt, daß man ſich nicht muß beim Ohre zupfen laßen. Geh hin und fang deine Pruͤfung an: Meßrur und ich, wir wollen in der Naͤhe der Zelle bleiben, in welche du eintrittſt, damit wir gleich bei der Hand ſind, dir noͤthigenfalls zu Huͤlfe zu kommen.“
Der Großveſyr hatte ſchon ſeine Augen auf eine Thuͤre gerichtet, an welcher er einen Mann mit ehr⸗ wuͤrdigem Barte ſitzen ſah, deſſen Anſehen Ehrfurcht gebot. Er begann damit, dem Greiſe ein Almoſen zu reichen, und begruͤßte ihn dann. Der Alte nahm es an, ſchien aber mehr auf die Hoͤflichkeit, als auf das Almoſen zu achten; er erwiederte Giafars Gruß, und machte ihm ein Zeichen, daß er ſich auf einen Stuhl einige Schritte von ihm ſetzen ſollte.
„Junger Mann,“ ſprach er zu ihm,„du koͤmmſt ohne Zweifel hieher, dich zu unterrichten: du kannſt


