Teil eines Werkes 
4. Bd. (1827)
Entstehung
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Der Sohn Kebals. 371

einen Sohn, deſſen Geburt, weit entfernt ſeinem Va⸗ ter zu ſchmeicheln, ihm vielmehr lebhafte Unruhe er⸗ regte.

Kebal, der den Hausfrieden erhalten wollte, ſtand nicht an, ihn durch ein Verbrechen zu erkaufen: ſeine Gemahlinn, die er in einem Augenblick der Trunken⸗ heit vergeſſen hat, trat ihm jetzo vor die Seele, und die Furcht vor einer eiferſuͤchtigen Frau brachte ihn dahin, alles Gefuͤhl der Menſchlichkeit abzuſtreifen. Er begann damit, den ungluͤcklichen Gegenſtand ſeiner Leidenſchaft aufzuopfern; und nachdem er die Mutter umgebracht hatte, wollte er auch den Sohn opfern: aber die Stimme der Natur ließ ſich, ſo hartherzig er war, doch wider ſeinen Willen in ihm vernehmen, und hemmte ſeinen Arm. Um nicht ſein eigenes Blut zu vergießen, faßte er den Entſchluß, das Kind in einer Wuͤſte auszuſetzen, in der Ueberzeugung, daß dieſes ſchuldloſe Schlachtopfer dort unfehlbar umkom⸗ men wuͤrde.

Aber die Vorſehung welche uͤber das Leben des Kindes wachte, fuͤhrte einen Hirten in die Gegend, wo es ausgeſetzt war; ſeine Schoͤnheit, ſein Geſchrei, ſein Elend ruͤhrten den armen Schaͤfer, der es nach ſeiner Huͤtte trug. Seine Frau, eben ſo mitleldig als er, uͤbernahm willig die Pflege dieſes Kindes, und gab ihm eine Ziege zur Amme.