„Wen gilt es, mein Sohn; und wo iſt Ghuͤlnas?“ „Dieſer Stahl,“ antwortete er ihr,„hat mich ſo eben an einer Treuloſen geraͤcht, die mich verrieth.“ „In welchem Irrthume biſt du!“ rief die Alte in Thraͤnen zerfließend aus:„und wie ſehr wirſt du ihn noch beweinen! Du haſt die liebenswuͤrdigſte und tu⸗ gendhafteſte aller Jungfrauen unſchuldig getoͤdtet.“ Sie erzaͤhlte ihm nun, auf welche großmuͤthige Weiſe Ghuͤlnas ſie aus ihrem Elende gezogen hatte. Der Waſſertraͤger uͤberließ ſich auf dieſen Bericht, dem lebhafteſten Schmerze; er ſtieg hinab nach der Straße, wo er ſeine geliebte Ghuͤlnas zu finden glaubte; aber ſie war verſchwunden. Er durchlief die ganze Stadt, ohne ihre Spur entdecken zu koͤnnen.
Zweihundert und ein und funfzigſter Tag.
Der Jude unterdeſſen ließ einen Wundarzt holen, welcher, nachdem er die Wunde der Veſyrstochter un⸗ terſucht hatte, verſicherte, ſie waͤre nicht toͤdtlich. Er taͤuſchte ſich auch nicht, und ſie ermangelte nicht, mit ihrer Geſundheit auch alle ihre Reize wieder zu gewinnen.“
Der Jude konnte ſie nicht mit gleichguͤltigem Auge betrachten, und erklaͤrte ihr ſeine Leidenſchaft, als ein Liebhaber, welcher Gehorſam verlangte. Ghuͤlnas


