Die Veſyrs⸗Tochter. 361
„Wie beklage ich euch, daß ihr mit ſo viel Sorg⸗ falt eine Undankbare aufzieht! waͤhrend ihr hier mit Arbeiten uͤberladen ſeid, ſchwimmt ſie in wolluͤſtigem Ueberfluß, welchen ſie ſich durch den Verkehr mit ih⸗ ren Liebhabern zu verſchaffen weiß.“
Der Waſſertraͤger, voll Wuth, ohne zu unterſu⸗ chen, ob der ihm hingeworfene Bericht irgend einen Grund hat, reiſt ſogleich ab, um ſich zu raͤchen.
Die Schoͤnheit des Hauſes, welches ſeine Mutter bewohnte, die Sauberkeit des Geraͤths, alles beſtaͤ⸗ tigt ihm, daß er betrogen ſei. Er tritt ein; Ghuͤlnas, die ſich nichts verſah, weil ſie ſich nichts vorzuwerfen hatte, will ihm entgegen gehen: er aber laͤßt ihr nicht die Zeit dazu, er ſtuͤrzt auf ſie los, und ſtoͤßt ihr einen Dolch in die Bruſt, welchen er unter ſeinem Rocke verborgen hatte. Als er ſieht, daß ſie von dem erſten Stoße noch nicht faͤllt, will er ihr einen zwei⸗ ten geben: Ghuͤlnas aber weicht ihm aus, und ſpringt in der Verzweiflung aus dem Fenſter.
Ein Jude, der gerade durch die Straße vorbei⸗ ging, ſah das junge in ihrem Blut gebadete Maͤdchen, hub ſie auf, und brachte ſie in ſeine Wohnung.
Unterdeſſen war die Mutter des Waſſertraͤgers, welche ſich in einem Nebenzimmer befand, auf das Geſchrei Ghuͤlnaſens herbeigekommen. Sie erblickt ih⸗ ren Sohn mit wuthfunkelnden Augen und einen bluti⸗ gen Dolch in der Hand, und fraͤgt ihn:
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