Teil eines Werkes 
4. Bd. (1827)
Entstehung
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Die Veſyrs⸗Tochter. 359

gaͤnzlich der Liebe verdanken. Er faßte alſo den Ent⸗ ſchluß, Ghuͤlnas die Freiheit wiederzugeben, und ſich alsdann mit ihr durch die Bande der Ehe zu ver⸗ binden. Aber bevor er dieſen Entwurf ausfuͤhrte, wollte er pruͤfen, ob ſie auch der Beſtimmung wuͤrdig waͤre, welche er ihr zudachte. Er fuͤhrte ſie zu ſei⸗ ner Mutter, welche in einer kleinen, eine Tagereiſe von Kaſhemir entfernten Stadt wohnte, und ſagte zu dieſer insgeheim:

„Liebe Mutter, ich habe Abſichten auf dieſe junge Sklavinn, welche ich eurer Sorgfalt anvertraue: lei⸗ tet ihr Betragen, und pruͤfet ſie, ob ihre Sittſamkeit ihrer Schoͤnheit gleichkoͤmmt.“

Hierauf nahm er Abſchied von ſeiner Mutter und von Ghuͤlnas, mit der Verſicherung, daß er ſie bald wiederſehen wuͤrde.

Die ſchoͤne Sklavinn gewann bald das Herz der⸗ jenigen, die ihrem Herrn das Leben gegeben hatte. Sie war bezaubert von ihrer Sanftmuth und Gefällig⸗ keit, und ſie ward ihr binnen kurzer Zeit eben ſo lieb, als wenn ſie ihre leibliche Tochter geweſen waͤre. Dieſe gute Frau, die in der aͤußerſten Armut lebte, hatte dieſelbe ſtaͤts mit Geduld ertragen; aber ſeitdem ſie Ghuͤlnas bei ſich hatte, ſchmerzte es ſie, ſie ihr Elend mit ihr theilen zu ſehen„ und wuͤnſchte ſie ſich Reichthuͤmer, um ihr ein ihrer Tugenden wuͤrdigeres Schickſal zu bereiten.