Teil eines Werkes 
4. Bd. (1827)
Entstehung
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Die Veſyrs⸗DSochter. 3⁵⁷

„Veſyr, ungern befehle ich es, du mußt deine Tochter verkaufen; ich weiß, wie viel es deinem Herzen koſten wird: aber das Leben meiner Tochter haͤngt davon ab. Das iſt genug geſagt; und ich er⸗ warte dieſes Opfer von deinem Eifer, welchen du mir ſtaͤts bezeugt haſt.“—. Derr beſtuͤrzte Veſyr ſchwankte einige Zeit zwiſchen der vaͤterlichen Liebe und dem Ehrgeiz. Die letzte Leidenſchaft trug jedoch endlich den Sieg davon und erſtickte die Stimme der Natur.

Er behielt gleichwohl noch ſo viel Schaam, daß er ſeine Tochter nicht oͤffentlich zum Verkauf ſtellen woollte. Dieſe Schmach zu vermeiden, erſann er Fol⸗ gendes. Er ließ ſeine Tochter in eine Kiſte legen, ſo⸗ dann einen Ausrufer kommen, und ſagte zu ihm:

„Biete dieſen Kaſten fuͤr vierzigtauſend Asper aus, aber unter der Bedingung, daß derjenige, der ihn er⸗ kauft, ihn nehme, ohne zu ſehen, was er enthalte.“

Der Ausrufer bemuͤhte ſich vergeblich, den Auftrag des Veſyrs auszufuͤhren: die auf den Kauf geſetzte Bedingung entfernte alle Kaͤufer. Ein junger Waſſer⸗ traͤger endlich, dreiſter als alle andere, ahndete ein Geheimnis, und erbot ſich, den Handel zu wagen: er entlehnte von einem Kaufmanne, ſeinem Freunde, die beſtimmte Summe, und nachdem er ſie dem Aus⸗ rufer aufgezaͤhlt hatte, trug er ſeinen Kaſten heim.