Seinuſeb. 349
eine fuͤrſtlich gekleidete Frau, welche ihn gebieteriſch fragte, wie ſie ſich erdreiſten koͤnnte, zu ihr herein zu treten, ohne gerufen zu ſein.
Numan, von Schreck erſtarrt, wollte einige Worte vorbringen; ſeine Stimme verrieth ihn aber noch mehr. Die Prinzeſſinn argwoͤhnte ſogleich, daß dieſer Schleier einen Mann verhuͤllte, riß ihn weg, und uͤberzeugte ſich auf der Stelle von der Wahrheit. Jetzo verdop⸗ pelte ſich ihr Zorn, und da ſie im Begriff ſtand, den Verwegenen mit dem Tode buͤßen zu laßen, warf er ſich ihr zu Fuͤßen, und wuͤnſchte nur zu den Fuͤßen Seinebs zu ſterben, welche die eigentliche Urſache ſei⸗ nes Vergehens waͤre. Da er ſich rettungslos verlo⸗ ren waͤhnte, ſo erzaͤhlte er ſeine ganze Geſchichte in wenigen Worten, mit eben ſo viel Offenheit als Schmerz, und ohne daß er von den Fuͤßen der Prin⸗ zeſſinn aufſtand, welche er noch immer umfaßt hielt.
Abaſa, von Natur guͤtig, hoͤrte mit Theilnahme die Erzaͤhlung ſeiner Leiden, und freute ſich, die Ur⸗ ſache von Seinebs Schwermuth errathen zu haben. Sie ließ auf der Stelle die junge Liebende rufen, und ſtellte ihr denjenigen vor, um den ſie ſo viel Thraͤnen vergoſſen hatte. 3
Ich uͤberhebe mich, die Ueberraſchung, das Ent⸗ zuͤcken und die Freude der beiden jungen Liebenden zu ſchildern. Nachdem ſie mehrere gluͤckſelige Stunden mit einander zugebracht hatten, wollte die Prinzeſſinn,


