28 179. Tag.
auf welche Weiſe dieſer Bramiin ſie fuͤr eine anſehn⸗ liche Summe den Flammen entzogen haͤtte:
„Er ließ heimlich,“ erzuͤhlte ſie,„durch andere Prieſter, welche er in ſein Vertrauen zog, ein unter⸗ irdiſches Behaͤltnis ausgraben. Der Scheiterhaufen wurde uͤber dieſer Hoͤhle errichtet, in welche ich hin⸗ abſtieg, nachdem ich das Rohr angezuͤndet hatte, welches nur die Leiche meines Mannes verzehrte. Als ſodann die Nacht gekommen, und alle Zuſchauer ſich entfernt hatten, fuͤhrte der Oberbramin ſelber mich nach dieſem Hauſe, welches ich zuvor durch einen ge⸗ treuen Sklaven hatte miethen laßen.“
„Aber meine Prinzeſſinn,“ ſagte ich zu ihr,„wer noͤthigte euch denn, das Volk durch dieſes falſche Lei⸗ chengepraͤnge zu taͤuſchen? Warum ſtelltet ihr euch, als wenn ihr euerm alten Gatten im Tode folgen wolltet? Man zwang euch doch nicht, mit ihm zu ſterben, ihr haͤttet euch alſo dieſe Verſtellung erſparen koͤnnen.“ 1
„Nein,“ verſetzte die Prinzeſſinn,„ich befand mich in der Nothwendigkeit, zu thun, was ich ge⸗ than habe: ihr werdet euch davon uͤberzeugen, wenn ich euch ſage, daß meine Abſicht war mein Loos mit dem eurigen zu verknuͤpfen, den Goͤtzendienſt abzu⸗ ſchwoͤren, und mit euch nach Baßra zu gehen, um die Religion Mahomeds anzunehmen. Es muß euer
großer Prophet ſelber geweſen ſein, der mir dieſe


