Teil eines Werkes 
3. Bd. (1827)
Entstehung
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10 105. Tag.

Serendib.*) Wenn ſeine Tochter eben ſo ſchoͤn iſt, als das Bildnis, ſo verdient ſie wohl, daß ihr ſie mit dieſer Inbrunſt liebt. Aber man muß den Bild⸗ niſſen der Prinzeſſinnen mistrauen; man malt ſie ge⸗ woͤhnlich ins Schoͤne. Vollendet, fuͤgte ſie hinzu, eure Geſchichte, hernach will ich euch die meinige erzaͤhlen.

Ich erzuͤhlte ihr umſtaͤndlich alle meine Abenteuer; und darnach bat ich ſie, mir auch die ihrigen mitzu⸗ theilen. Sie begann ihre Erzaͤhlung folgendermaßen:

Ich bin die einzige Tochter des Koͤnigs von Se⸗ rendib. Eines Tages, als ich mit meinen Frauen

auf einem Schloſſe bei der Stadt Serendib war, be⸗

kam ich Luſt, mich in einem weißen Marmorbecken zu baden, welches im Garten war. Ich ließ mich ent⸗ kleiden, und trat mit meiner Lieblingsſklavinn in das Becken. Kaum waren wir in dem Waſſer, als ein heftiger Wind ſich erhub. Ein Staubwirbel verdun⸗ kelte die Luft rings um uns her, und aus der Mitte

¹) Serendib nennen die Morgenländer die Inſel Ceylan. Auf einem Berge dieſer Inſel begegneten ſich, nach mehre⸗ ren Morgenländiſchen Schriftſtellern, Adam und Eva, nachdem ſie die Welt umwandert hatten. Andere Maho⸗ medaniſche Schriftſteller behaupten dagegen, dieß ſei auf dem Berge Arafat bei Mekka geſchehen. Vgl. Bd. II. (Tag 52).