Teil eines Werkes 
2. Bd. (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

103. Tag. Hundert und dritter Tag.

Die Prinzeſſinn machte ſich niedlich waͤhrend der Malzeit, und Mihrafja ermangelte ihrerſeits auch nicht, mit Saed ſchoͤne zu thun; allmaͤhlich wurden ſie beide ſo lebhaft, daß wir gezwungen waren, ih⸗ nen zu verſtehen zu geben, daß ihre Muͤhe verloren waͤre: ich ſagte Huͤsnara tauſend harte und beißende Dinge, und mein Freund war nicht hoͤflicher, als ich.

Unſere Reden thaten ſchleunig ihre Wirkung; wir ſahen unſere Schoͤnen im Augenblick ihr Antlitz ver⸗ wandeln, ſie blickten uns nur noch mit wuthfunkelnden Augen an. 8

Ha! ihr Elenden, rief die ſchwarze Koͤnigs⸗ tochter aus,auf ſolche Weiſe alſo erwiedert ihr meine Gaͤte! Vergeßt ihr, wie gefaͤhrlich es fuͤr euch iſt, meinen Zorn zu reizen? Du Undankbarer, fuhr ſie fort, indem ſie ſich zu mir wandte,kannſt du mit Gleichguͤltigkeit alle die Zeichen der Huld aufnehmen, welche ich dir gebe? Aber was ſage ich: mit Gleich⸗ guͤltigkeit? es ſcheint, daß du Abſcheu gegen Huͤsnara hegſt: was findeſt du an mir, das dir Widerwillen erregt? hab' ich irgend einen Fehler?

Indem ſie dieſe letzten Worte ausſprach, wandte ſie ſich zu ihrer Lieblingsſklavinn und ſagte:

Rede, Mihrafja, ſchmeichle mir nicht: bin ich haͤßlich oder uͤbelgebildet? iſt mein Wuchs misgeſtalt,

3⁰⁶