Teil eines Werkes 
2. Bd. (1827)
Entstehung
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3o 102. T a g.

Ho, ho, Saed, unterbrach ich ihn,du laͤßt

nicht wenig Abſcheu gegen eine Dame blicken, welche es ſo gut mit dir meint; du vergißt, daß das Leben eine ſchone Sache iſt. Da man dich zwingen will, ein ſcheuſeliges Weſen zu lieben, hat der Tod nichts furchtbares fuͤr dich: und du willſt, ich ſoll ihn fuͤrch⸗ ten? Bekenne alſo, daß es nicht leicht iſt, die Re⸗ gungen ſeines Herzens zu beſiegen, und einem Weſen Liebe zu erzeigen, welches uns nur Ekel einfloͤßt; dieſe Anſtrengung uͤberſteigt die Kraft der ungeſtuͤmſten Jugend: es iſt beſſer, daß wir beide umkommen, als

daß wir uns erniedrigen, Zaͤrtlichkeit fuͤr Weſen zu

heucheln, welche wir nicht lieben koͤnnen.

Mein Vertrauter billigte dieſen Entſchluß, welchen die Verzweiflung mir eingab; ſo daß wir nur an un⸗ ſern Tod dachten. Wir erwarteten die Nacht mit Ungeduld, nicht um die Freuden zu genießen, welche

man uns verhieß, ſondern um unſere Gebieterinnen mit Schmaͤhungen zu uͤberhaͤufen und ihnen den gan⸗

zen Abſcheu zu zeigen, welchen wir gegen ſie hegten. Das war neu genug fuͤr zwei Liebhaber: wir ſchmei⸗

chelten uns, ſie durch dieſes Mittel in Wuth zu ſetzen

und ſie zu noͤthigen, uns toͤdten zu laßen; wir dach⸗

ten wohl, wenn eine ſchoͤne Frau, die verſchmaͤht wird, ſchon im Stande iſt, zu den aͤußerſten Mitteln zu ſchreiten, daß wir nicht ungeſtraft zwei haͤßliche

und grauſame Weiber beleidigen wuͤrden.