Teil eines Werkes 
2. Bd. (1827)
Entstehung
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Kalaf und Turandokt. 9

Die Fuͤrſtinn ihrerſeits zerſchmolz in Thraͤnen, und ließ die Luft von ihren Wehklagen und Seufzern er⸗ ſchallen. Kalaf allein hatte die Kraft, die Laſt eines ſolchen Misgeſchicks zu ertragen; durchdrungen von den Lehren des Korans und den Spruchen Mahomeds uͤber die Vorbeſtimmung, war ſeine Seele von uner⸗ ſchuͤtterlicher Standhaftigkeit. Der uͤbergroße Jammer, in welchen ſein Vater und ſeine Mutter ausbrachen, war ſein groͤßtes Leid.

O mein Vater! o meine Mutter! ſagte er zu ihnen,erlieget nicht eurem Ungluͤcke; bedenket, es iſt Gottes Wille, daß ihr in dieſem Elende ſeid. Wir wollen uns ohne Murren ſeinen unabwendlichen Be⸗ ſchluͤſſen unterwerfen. Sind wir denn die erſten Fuͤr⸗ ſten, welche die Zuchtruthe ſeiner Gerechtigkeit getrof⸗ fen hat? Wie viele Koͤnige vor uns ſind nicht ſchon aus ihren Staaten vertrieben, und nachdem ſie lange umhergeirrt, und in fremden Laͤndern ſelbſt fuͤr die elendeſten Sterblichen gehalten worden, wieder auf ihren Thron geſtiegen? Wenn Gott die Macht hat, die Kronen zu nehmen, ſo vermag er auch, ſie wie⸗ derzugeben. Laßt uns alſo hoffen, daß unſer Elend ihn erbarmen, und er auf unſern gegenwaͤrtigen be⸗ jammernswuͤrdigen Zuſtand wieder Gluͤckſeligkeit werde folgen laßen.

Er fuͤgte noch mehrere andere Troſtworte hinzu; und je laͤnger er ſprach, je mehr fuͤhlten ſein Vater