Kuluf und Dilara. 235
daß es nicht in dem Himmel ⁸) geſchrieben ſtehen kann, daß ich euch verſtoße.“
„Nein,“ erwiederte die Tochter Boyruͤks,„der Himmel hat uns nicht auf eine ſo wunderbare Weiſe mit einander vereinigt, um uns faſt eben ſo bald wieder zu trennen. Ich kann nicht glauben, daß er euch umkommen laße, und ich fuͤhle, daß er mir ein Mittel eingibt, unſere Feinde zu taͤuſchen.— Habt ihr dem Kadi geſagt,“ fuͤgte ſie hinzu,„daß ihr der Guͤnſtling des Koͤnigs der Keraiten geweſen ſeid?“
„Nein,“ antwortete Kuluf;„denn der Kadi ver⸗ ſchloß mir ſogleich den Mund, indem er ſagte, er wuͤrde niemals zugeben, daß ich euch beſaͤße, weil ich ohne Vermoͤgen, wenn ich uͤbrigens auch von Geburt waͤre.“
„Da dem ſo iſt,“ fuhr ſie fort,„ſo befolget ge⸗ nau den Rath, welchen ich euch geben will. Wenn ihr morgen wieder vor dem Kadi ſteht, ſo unterlaßet nicht zu ſagen, ihr ſeiet der Sohn Maſßauds: das iſt ein Kaufmann von Chodſchend,**) der uner⸗
*) Die Perſer glauben, daß alles, was geſchehen ſoll, bis zu der Welt Ende auf einer Lichttafel, genannt Luh, geſchrie⸗ ben iſt, mit einer Feuerfeder, genannt Kalam aſer; und die Schrift auf derſelben heißt Kaſa oder Kalda, das bedeutet unvermeidliche Vorbeſtimmung.
**½) Chodſchend, Stadt in Türkeſtan, am Sihon oder Ja⸗ rartes, ſieben Tagereiſen nördlich von Samarkand. H.


