Kuluf und Dilar a. 233
Urſache, der tiefen Betruͤbnis, von welcher ſie ergrif⸗ fen ſchien.
„Meine Frau,“ ſagte er zu ihr,„gebet euch nicht eurer Traurigkeit hin. Es iſt noch nicht Zeit, zu ver⸗ zweifeln. Der Elende, welchen ich zum Huͤlla erwaͤhlt habe, will zwar nicht euch meiner Liebe zuruͤckgeben, aber das darf euch nicht bekuͤmmern. Er hat ſchon hundert Stockpruͤgel empfangen, und morgen ſoll er noch viel mehr kriegen, wenn er darauf beharret, das nicht zu thun, worin er mit dem Nayb uͤberein⸗ gekommen iſt. Der Kadi iſt ſelbſt entſchloſſen, ihn die haͤrteſten Zuͤchtigungen erdulden zu laßen. Troͤſtet euch alſo, meine Sultaninn, ihr duͤrft nur noch dieſe Nacht bei dem Huͤlla zubringen: morgen werde ich wieder euer Gatte; ich komme ſelber es euch zu ver⸗ ſichern, und euch zur Geduld zu ermahnen; denn ich zweifle nicht, daß die Nothwendigkeit, dieſen Lump bei euch zu dulden, ein großes Herzeleid fuͤr euch ſei.“
„Ja Herr,“ unterbrach ihn Dilara,„ich bekenne, daß der Huͤlla all mein Leid verurſacht; die Ruhe mei⸗ nes Lebens haͤngt von ihm ab. Wehe! ich fuͤrchte, das dieſer Handel nicht nach meinen Wuͤnſchen aus⸗ ſchlagen wird.“
„Nein, meine Koͤniginn,“ erwiederte Taher mit Heftigkeit,„beſaͤnftiget eine fuͤr Taher ſo ſchmeichel⸗ hafte Unruhe. Ihr duͤrft hoffen, daß morgen unſere Vereinigung wiederhergeſtellt iſt.“


