Abulkaſem. 11
Dieſe Rede beſaͤnftigte die Wuth des Chalyfen. „Ich billige dieſen Rath,“ ſagte er zu Sobeide'n, und bekenne, daß ich dieſe Gerechtigkeit einem ſolchen Mi⸗ niſter, wie Giafar, ſchuldig bin. Ich will noch mehr thun: da derjenige, welchem ich dieſen Auftrag gaͤbe, mir, aus Haß gegen meinen Veſyr, einen falſchen Bericht erſtatten koͤnnte, ſo will ich ſelber mich von der Wahrheit uͤberzeugen. Ich will die Bekanntſchaft dieſes jungen Mannes machen, deſſen Großmuth man mir ſo ruͤhmt: hat man mir die Wahrheit geſagt, ſo will ich Giafar mit Wohlthaten uͤberhaͤufen, weit ent⸗ fernt ihm ſeine Freimuͤthigkeit uͤbel zu nehmen; aber ich ſchwoͤre, es ſoll ihm das Leben koſten, wenn er mir eine Luͤge vorgebracht hat.“
Sobald Alraſchid dieſen Entſchluß gefaßt hatte, dachte er nur an deſſen Ausfuͤhrung. Er verließ in einer Nacht heimlich ſeinen Palaſt, und begab ſich auf den Weg, ohne ſich von jemand begleiten zu laßen, was Sobeide auch ſagen mochte, um ihn zu bereden, nicht ſo ganz allein zu reiſen.
Als er in Basra angekommen war, ſtieg er in der erſten Karavanſerei ab, welche er beim Eintritt in die Stadt antraf, und deren Wirth ein guter Greis war.
„Guter Vater,“ ſagte Harun zu ihm,„iſt es wahr, daß es in dieſer Stadt einen jungen Mann namens Abulkaſem gibt, welcher die Koͤnige an Pracht und Großmuth uͤbertrifft?““


