Perſiſche Erzaͤhlungen. 5
gedenken; und verdrießlich, einen Schwur gethan zu haben, welcher ihm einen blutigen Krieg zuziehen konnte, ließ er die Amme der Farruͤchnas kommen.
„Suͤtluͤmeme,“*) ſprach er zu ihr,„ich ge⸗ ſtehe dir, daß das Betragen der Prinzeſſinn mich ver⸗ wundert. Wer mag die Abneigung verurſachen, welche ſie gegen die Vermaͤhlung hat? Sprich, biſt du es et⸗ wa, der ſie ihr eingefloͤßt hat?“
„Nein, Herr,“ antwortete die Amme,„ich bin kein Feind der Maͤnner, ſondern dieſe Abneigung iſt die Wirkung eines Traums.“
„Eines Traums?“ rief der Koͤnig ſehr verwundert aus.„Ah, was ſagſt du mir da!— Nein, nein,“ fuͤgte er dann hinzu,„ich kann nicht glauben, was du mir da ſagſt. Welcher Traum koͤnnte auf meine Tochter einen ſo ſtarken Eindruck gemacht haben?“
Suͤtluͤmeme erzaͤhlte ihm denſelben, und nachdem ſie ihm alles umſtaͤndlich geſagt hatte, fuhr ſie fort: ndieſes iſt der Traum, welcher die Einbildung der Prinzeſſinn getroffen hat. Sie beurtheilt die Maͤnner nach dieſem Hirſche: uͤberzeugt, daß ſie alle Undank⸗ bare und Treuloſe ſind, verwirft ſie auf gleiche Weiſe alle Antraͤge, welche ihr gemacht werden.“
*) Bedeutet Milchbuſen.


