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Perſiſche Erzaͤhlungen. 3
Indeſſen verbreitete ſich der Ruf ihrer Schoͤnheit durch das ganze Morgenland. Mehrere Koͤnige ließen ſich dadurch anreizen; und bald vernahm man zu Ka⸗ ſchemir, daß Geſandte von allen Hoͤfen Aſiens um die Prinzeſſinn anzuhalten kaͤmen.
Aber bevor ſie anlangten, hatte Farruͤchnas einen Traum, welcher ihr alle Maͤnner verhaßt machte. Sie traͤumte naͤmlich, daß ein Hirſch, der in eine Schlinge gefallen war, von einer Hinde befreiet wurde; und als darauf die Hinde in dieſelbe Schlinge fiel, der Hirſch, anſtatt ihr zu helfen, ſie verließ.—
Farruͤchnas war bei ihrem Erwachen uͤber dieſen Traum tief betroffen. Sie betrachtete ihn nicht als eine Taͤuſchung der aufgeregten Einbildungskraft, ſie glaubte vielmehr, daß der hohe Keſaja:) an ihrem Schickſale Theil naͤhme, und daß er durch dieſe Ge⸗ bilde ihr bemerklich machen wollte, alle Maͤnner waͤ⸗ ren Treuloſe, und koͤnnten die Zaͤrtlichkeit der Frauen nur durch Undankbarkeit vergelten. 3
Eingenommen von dieſem ſeltſamen Wahn, und voll Furcht, einem jener Fuͤrſten, deren Geſandte naͤch⸗ ſtens eintreffen ſollten, aufgeopfert zu werden, ging ſie zu dem Koͤnige, ihrem Vater. Ohne ihm zu ſa⸗
gen, daß ſie gegen alle Maͤnner empoͤrt waͤre, be⸗
*) Ein vormals in Kaſchemir angebeteter Götze.


