Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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Erinnerungen. 9

Blicke verſtanden? Genug, ſie erhob ſich und ſchritt an ſeiner Seite weiter.

Zwiſchen dieſen beiden jungen Leuten beſtand ein eige⸗ nes, unausgeſprochenes, niemals berührtes und ſo begreif⸗ liches Verſtändniß. In der erſten Zeit hatte Eliſe den jungen Maler, ſo oft ſie ihm anderswo als in dem Atelier begegnete, mit einer ängſtlichen Scheu vermieden, ihn nie angeblickt, ſeine Fragen kaum ſoviel beantwortet, als es gerade die Höflichkeit verlangte. Als er ſich aber immer ſo völlig gleich gegen ſie benahm, ſo ruhig, ſo taktvoll und verſtändig, da faßte ſie Vertrauen zu ihm, und dies Ver⸗ trauen ſteigerte ſich nach und nach zu einem freundſchaft⸗ lichen Gefühl, ihrerſeits auch noch vielleicht zu etwas mehr. So wenigſtens hätte man wohl die Blicke verſtehen können, die ſie zuweilen aus ihrem dunklen Auge auf ihm ruhen ließ, wenn er auf ſein Bild niederſah. Er hatte freilich nie einen ſolchen ſeltſamen vielſagenden Blick erhaſcht, wäre auch vor Scham vergangen, wenn er ſie ein einzigesmal ertappt hätte; er kannte nur den Ausdruck der Heiterkeit und jener ſo liebenswürdigen Ueberraſchung, mit der ſie die ganze Welt zu betrachten ſchien, mit der ihr alles, ſelbſt das ſchon oft Dageweſene, immer wieder neu und intereſ⸗ ſant vorkam. Dieſer Ausdruck aber kam hervor aus ihrer heitern, fröhlichen Seele; ſie war von einer armen, aber anſtändigen Familie, ihre Eltern beide todt, und ihr Vor⸗ mund hatte ſie um ſo lieber im Hauſe der Fürſtin unter⸗