Eilftes Kapitel.
liches Zucken ihrer Lippen zu verbergen. Doch dauerte dieſes Zucken nur ein paar Sekunden, dann blickte ſie frei und fröhlich auf und wiederholte:„Gewiß, Richard, male
nach ihr; CEliſe wird ſich ſicher nicht ſträuben.“
Er zuckte wohl mit den Achſeln, er ſagte dies oder das,
was ihm convenabel ſei, wodurch man mehr oder minder
genirt werde, worauf ſie aber erwiderte:„Wozu ſich ſelber Schwierigkeiten machen! Betrachte ſie wie jedes andere Mädchen, wornach du malen würdeſt. Du haſt mir geſagt, es ſei dir für deine Kunſt nothwendig— nun gut! Auf dieſe Art iſt es paſſender zu machen, als wenn irgend Fremde, Unbekannte für gewiſſe Stunden ins Haus kämen.“
Das war einer der Momente, wo das kluge Weib eine neue Feſſel um ſeinen Nacken warf, wo er in dankbarer Anerkennung deſſen, was ſie für ihn ihat, ſeine körperliche und moraliſche Ermüdung vergaß, wo er in herzlicher Er⸗ kenntlichkeit ſich ſcherzhaft zu ihren Füßen lagerte, wo er in Gedanken ſein„Morgen“ und„Uebermorgen“ wieder weit hinaus ſchob, indem er ſagte: es wäre unrecht von mir, ihr ſo alle ihre Güte zu vergelten.— Etwas anderes wäre es, ſetzte er hinzu, wenn ſie Eiferſucht gezeigt hätte. Dann——
Aber die Fürſtin zeigte durchaus keine Eiferſucht; ſie kam in das Atelier und verließ es wieder, wie ſie es immer gethan; ſie ſah lächelnd zu, als er den ſchönen Kopf Cliſens
malte und deren weiße Schultern, ja nach und nach ſo viel


