Der Maler Potowski. 237
rung lag, er könne jetzt unmöglich ſeine Arbeit unterbrechen, — er wolle auch nicht immer geſtört ſein.
War ſie alsdann heiter und fröhlich gelaunt, ſo lachte ſie herzlich über ſeine Grillen, wie ſie es nannte, warf ſich ihm gegenüber auf einen Divan und verſuchte es durch allerlei Neckereien, ſeine Aufmerkſamkeit zu erregen. Mei⸗ ſtens gelang ihr dies auch vortrefflich; man ſah, wie ſich ſeine Züge erheiterten, wie der eben noch ſo kalte Blick ſeiner Augen anfing zu leuchten und zu ſtrahlen, und end⸗ lich zog es ihn förmlich zu ihr hin; er warf Pinſel und Palette bei Seite, er kniete neben dem Divan, auf dem ſie ruhte, nieder; er litt es gerne, wenn ſie ſein Haar durch⸗ einander warf; er tändelte mit ihr wie in den erſten Tagen, als ſie ſich kennen lernten.— War ſie einmal nicht heiter gelaunt und verließ das Atelier wieder, ſchweigend, wie ſie gekommen, nachdem ſie geſehen, daß er in ſeine Arbeit ver⸗ ſunken war oder verſunken ſein wollte, ſo fuhr er bald darauf in die Höhe, es überflog ihn etwas, wie ein unheim⸗ liches Gefühl, und häufig legte er bald darauf ſein Maler⸗ geräth bei Seite, um zu ihr hinüber zu gehen. Kam er alsdann nach einiger Zeit wieder, oft mißmuthig, finſter, die Lippen zuſammengepreßt, ſo konnte er lange, lange, ohne einen Pinſelſtrich zu thun, ſeine Arbeit betrachten, ſich dann heftig abwenden, das Zimmer mit großen, eiligen Schritten durchmeſſen und ſich dann in einen Fauteuil werfen, den


