Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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230 Eilftes Kapitel. gab ihm genugſam Stoff zum Nachdenken, ja konnte ihn verdrießlich und traurig machen: er erfuhr nämlich nie, wo ſeine Bilder blieben. Dieſelben wurden angekauft durch Fremde, die ſich ihm auf ſeinem Atelier vorſtellen ließen, oder durch Unterhändler. Was er verlangte, wurde ihm bezahlt, dann aber waren und blieben ſeine Arbeiten ſpur⸗ los verſchwunden. Wohl fragte er nach dieſem oder jenem, wo es geblieben ſei, und alsdann bewies ihm der Käufer, ein Geſchäftsmann in der Stadt, durch Schreiben oder Frachtbriefe, daß ſein Gemälde hierhin und dorthin gekom⸗ men, nach England, nach Frankreich, nach Rußland, ja viele nach Amerika. Zuerſt hatte ihn einmal der finſtere Ge⸗ danke beſchlichen, ſeine Bilder haben eigentlich gar keinen Werth und würden, um ihn in einer angenehmen Illuſion zu erhalten, von der Fürſtin ſelbſt durch dritte Hand auf⸗ gekauft und theuer bezahlt. Als ihn zum erſtenmale dieſe Idee quälte, da fiel dieſelbe geſpenſterhaft über ihn her, entſetzlich, hohnlachend, daß er wild den Pinſel aus der Hand ſchleuderte, ſeine Rechte in dem Haare vergrub und mit einem Gefühl, das an Verzweiflung grenzte, haſtig auf und ab ſchritt.

Aber nein, nein, ſprach es nach einer Pauſe in ihm, ſo falſch, ſo entſetzlich treulos zu handeln, iſt das Herz eines Weibes ihr Herz nicht fähig. Oder ſollte ſie mich ſo zu ihrem Geſchöpf erleſen haben, daß ſie dieſes an ſich gefeſſelte Geſchöpf nur deßhalb mit einem falſchen