Straßenwanderung. 7
der Livreen. Iſt doch auch der Mann, der in derſelben ſteckt, hier ein ganz anderer. Dort unter der neunzackigen Krone ſteht er ruhig da, ſteif, mit einer bezeichnenden Gleich⸗ gültigkeit in ſeinen Mienen gegen alles, was um ihn her vorgeht. Er, der Kutſcher und die alten vornehmen Pferde halten da, faſt ebenſo unbeweglich wie die Schildhalter am Wappen, wöährend hier der bewegliche Lakai mit dem pfif⸗ ſigen Geſicht— er zerkaut den Stiel einer Roſe, die er ſo eben abgepflückt— neben dem Kutſcherbocke ſteht, ſeinem Collegen etwas ungeheuer Komiſches erzählt und dazu hin und her tänzelt, während der Roſſelenker ſeine Peitſche leicht und gewandt auf und ab wickelt. Auch Muſik ſchlägt hier wieder an unſer Ohr; wir vernehmen gutgeſpielte Paſ⸗ ſagen auf einem Inſtrument von prachtvollem Tone, viel⸗ leicht auch eine Phantaſie von Chopin, ja wir hören auch ſingen, aber nicht das kleine, blitzende Sternlein, ſondern
„Ah je veux briser ma chaine disait le bel Ivan.“
Wenn wir langſamer gehen, werden wir auch vielleicht das Glück haben, die Sängerin zu erblicken. Dort tritt ſie auf den Balkon, friſche Luft athmend nach den Anſtrengun⸗ gen ihres Geſanges und dabei gelegentlich die Straße auf und ab blickend. Es iſt eine junge Dame in ſehr reicher und ſehr eleganter und ſehr leuchtender Toilette. Ihr Teint iſt etwas bleich, der Geſichtsſchnitt ſüdlich ſcharf, Augen und
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