Straßenwanderung. 5
Glasdächer, weit in die Straße hinein, um den aus dem Wagen Steigenden Schutz zu verleihen. Etwas Stilles, Oedes, man möchte ſagen etwas Langweiliges hat dieſe Straße— ſie iſt ziemlich leer, man ſieht da keine Kinder ſpielen, auch keine Hunde balgen ſich herum; was man von dieſer vierbeinigen Staffage allenfalls ſieht, iſt vielleicht ein prächtiger Neufundländer oder ein edler Jagdhund, die ſich dort im Sonnenſchein auf der Rampe dehnen und ſtrecken, oder vielleicht auch ein kleiner Wind⸗ oder Wachtelhund, den ein Diener in Livree an einem Schnürchen neben ſich führt. Aber ſie ſcheinen hier ihre eigentliche Hundenatur verloren zu haben, wenigſtens der Windhund; denn er läßt ſeine Ohren hängen, zieht den Schweif ein und ſchreitet ſo be⸗ dächtig, wie wir es von Seinesgleichen nicht gewohnt ſind.
Manche der großen Einfahrten neben den Häuſern haben alte, verwitterte, ſchweigſame Wappenſchilder. Die Löwen,
Adler, Bären, Wölfe in ihnen ſchauen ſo griesgrämig drein,
daß wir überzeugt ſind, ſie würden plötzlich ihre ſteinernen
Mäuler aufreißen und Ruhe gebieten, wenn ſich irgendwo
einmal ein ungebührliches Geräuſch breit machte. Aber das hat hier in dieſer Straße keine Noth; was von Klavieren und dergleichen vorhanden, iſt in die Hinterzimmer nach den Gärten zu verwieſen; vorne wird nur geliſpelt, hie und da auch gegähnt, im Ganzen ſehr leiſe geſprochen. Seine Erlaucht begnügt ſich häufig damit, ſeine Gedanken und Meinungen durch Geberden und Blicke auszudrücken, Ihre


