Straßenwanderung.
die Mühe nimmt, durch eine unſerer niegeate deutſchen. Städte aufmerkſam zu flaniren.
Daß daneben die ganze Handwerkerſchaft wieder einen beſonderen Theil der Stadt ausmacht, ſich namentlich, wie ſeit unvordenklichen Zeiten, um Marktplatz und Rathhaus herum ſchaart, iſt ebenfalls noch ganz genau erſichtlich. Da, in den ſchmalen Häuſern mit den ſpitzen, verſchnörkelten Giebeln, die ſich nicht ſelten altersmüde vornüber beugen, drängt ſich ein Laden, eine Werkſtatt an die andere. Hier hört man immer noch das Klopfen des Hammers, das Knir⸗ ſchen der Feile; hier ſind auch größere Magazine, die ſo viel wie möglich in erweiterten Räumen, in großen Spiegel⸗ fenſtern ſich der Zeit angepaßt haben, dadurch aber bei der Beſchränktheit der Lokalitäten den Kaufmann ſelbſt, der früher im dunklen Stübchen hinter dem Laden mit ſeiner Familie gehaust, jetzt zum Auszug zwangen in die benachbarten Straßen, wo es luftiger, heller, wohnlicher iſt. Haben es doch auch größere Handwerker ſo gemacht; die Werkſtätten im alten engen, winkligen Theile der Stadt ſind geblieben und nun ſchuld daran, daß jene Stadttheile des Abends, wo
der Hammer ruht, wo der Laden geſchloſſen iſt, ein ſo trü⸗—
bes, ödes, faſt unheimliches Anſehen haben. Da ſieht man nicht mehr wie früher die Familie des Meiſters oder des Ladenbeſitzers, während er ſelbſt auf der Rathſtube ſeinen Schoppen trinkt, auf der Bank vor der Hausthür ſitzen, la⸗ 4 chend, ſingend oder mit den befreundeten Nachbarn plaudernd.


