Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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Unverheirathete Cheleute. 303

Kammerjungfer(weinend, nachdem ſie den General einen Augenblick ſtarr angeſehen y. O Gott, Excellenz, ich weiß nicht, was ich ſpreche! O laſſen mich Euer Excellenz um Gotteswillen gehen! Ich habe ja ohne allen Sinn geſprochen.

General(feſt und beſtimmt). Flora, Du kennſt mich! Was iſt es mit der Scheinheirath? Sprich Unglückſelige, ich will Alles wiſſen!

Kammerjungfer. Ach, Cxcellenz, das iſt aber gar zu fürchterlich; Sie wiſſen es nicht? Ich ſoll Alle verrathen?

General. Sprich!

Kammerjungfer. Den Morgen geſtern Morgen als wir drei Paare in die Kirche fuhren, getraut zu werden, Herr Ferdinand mit Fräulein Eliſe, Herr Karl mit Fräulein Clara, Jean und ich, da

General. Weiter!

Kammerjungfer. Da wurden wir nicht getraut.

General. Nicht getraut?

Kammerjungfer(weinend). Nein Excellenz nicht getraut!

General l(erſchrocken). Das heißt, Du wurdeſt nicht getraut? Aber meine Kinder Eliſe und Clara; ſie wurden doch mit ihren Männern verheirathet?

Kammerjungfer. Nein Excellenz.

General. Bin ich denn ein Narr, oder ſprichſt Du im Fieber? Karl und Ferdinand wären nicht ſeit geſtern die Männer meiner Töchter?

Aarnneriäher Nein Excellenz.

General. O gerechter Gott, welcher Betrug! Und doch ein Hoffnungsſtrahl! Alſo lieben ſie nicht ihre Schwägerinnen, aus dem einfachen Grunde, weil ſie keine haben?(Pauſe.) Aber wenn mir auch das eine Beruhigung wäre, ſo hat ſich doch auf der anderen Seite die Geſchichte um ſo fürchterlicher verwickelt!(ernſt und düſter.) Ich bin ein unglücklicher Mann! Die CEhre meines Hauſes iſt dahin.(Er faßt die Lehne des Fauteuils.) Ich habe meine Töchter geſtern Abend bei zwei jungen Männern eingeſchloſſen! Er ſinkt in ſeinen Fauteuil.) Fürchterlich!(Pauſe. Er ſpringt wieder auf). Aber mein Bruder! Wo iſt mein Bruder? Hektor ſoll augen⸗ blicklich zur Stelle!(zur Kammerjungfer) Fort! Jean ſoll meinen