302 Unverheirathete Eheleute.
Kammerjungfer. Gnade, Excellenz!— Gnade!
General. Was ſoll's?— Was gibt's?— Was will Sie?
Kammerjungſer. Gnade, Excellenz! Ich bin ja vollkommen un⸗ ſchuldig!
General Steh' auf!— Woran biſt Du unſchuldig?
Kammerjungfer. Ach, Excellenz, hat Jemand mehr unter dieſen traurigen Geſchichten gelitten, wie ich?
General. Du?— Ha, ich glaube ſchon, daß mein Strafgericht beginnt! 1 Kammerjungfer. Ach, Exellenz, ich bin gewiß unſchuldig; ich verſichere Euer Excellenz, ich habe ſeit dem Augenblick keine Ruhe mehr gehabt, nicht bei Tag, nicht bei Nacht..
General. Was geht mich Deine Ruhe an?— Seit wenn weißt Du von der Geſchichte? 4
Kammerjungfer. Seit geſtern, Excellenz, als wir zur Trauung fuhren.
General. Erſt ſeit geſtern?— Unglückliche, und Du weißt dieſe ſchrecklichen Geſchichten ſo ganz genau, und dieſes Entſetzliche iſt ſo gewiß, iſt ſo ganz gewiß?
Kammerjungfer. Ja, Excellenz, da iſt nichts daran zu läugnen.
General. Ferdinand liebt meine Clara?
Kammerjungfer(weinend). Ach, das wäre an ſich kein Unglück!
General. Kein Unglück ſagſt Du?— Und Karl liebt Eliſe— das nennſt Du kein Unglück?.
Kammerjungſer. Ach Excellenz, das Andere iſt doch noch viel ſchlimmer; und ich hab' es ja immer geſagt, man ſollte ſo etwas nicht thun, ach ja, das iſt doch gewiß viel ſchlimmer.
General(aufmerkſam). Unglückliche, was iſt ſchlimmer?— Was iſt noch ſchlimmer, als jene verbrecheriſche Liebe?— O Gott, was werde ich hören?
Kammerjungfer(ſieht den General erſtaunt an). Ja meinten Euer Excellenz nicht vorhin wegen der Trauung— 2
General. Wegen welcher Trauungg
Kammerzungfer(ängſtlich). Nun wegen der Scheinheirath!
General. Weib, wegen welcher Scheinheirath?


