Unverheirathete Eheleute. 299
General. Du ſollſt mich begleiten; komm' mit in den Garten, wir behalten die Thüre im Auge und ſehen, was hier vorgeht.
Baron. Aber General!
General. Die arme Eliſe!— Aber ich weiß, welche Schritte ich zu thun habe!— Wenn ich nicht irre, kommen ſie dort ſchon!
Baron(für ſich). In welcher Situation bin ich?(Laut) Aber Du irrſt Dich, das iſt ja Karl und Eliſe(ſehr laut, als wenn er ihnen rufen wollte). Ah! lieber Karl!
General(ärgerlich). Was ſoll Dein Schreien?— Sei doch ſtill! Du biſt in der That ein alter lächerlicher Narr.— Komm!
(Er faßt ſeinen Bruder am Arm.)
Baron(im Abgehen). Wenn Sie mich nur gehört haben!— Die
werden ſich auch nicht in Acht nehmen.
Dritter Auftritt. Karl und Eliſe.
Karl. Aber Eliſe, den ganzen Morgen gönnſt Du mir kein freundliches Wort!— Du gehſt ſinnend umher und ſchlägſt Deine Augen zu Boden; für mich keinen Deiner lieben Blicke.
Eliſe. Denk' an die Lage, in der wir uns befinden. Wüßteſt Du, wie Clara und ich während der ganzen Nacht geweint haben, was wir gelitten! Mein Herz iſt voll Angſt und Furcht, ein Wort, ein Blick, ein fallendes Blatt jagt mir Schrecken ein.
(Der General, der ſeinen Bruder feſthält, erſcheint an der Thür.) Jeder Laut ſagt mir, wir ſind verrathen!— Und das iſt gewiß, Karl, von unſerem Vater haben wir keine Verzeihung zu erwarten: wir haben ihn zu grenzenlos betrogen. Laß' mich, Karl, es iſt beſſer, wir ſehen uns nicht allein.
Karl. So liebſt Du mich nicht mehr, ſo haſt Du mich nie ge⸗ liebt; ſo waren all' die ſüßen Worte, die ich aus Deinem Munde ge⸗ hört, unwahr, ſo hat Dein Herz nie— nie für mich geſprochen?
Eliſe. O Karl, dieſe ungerechten Vorwürfe!— Aber bedenke die neuen, ganz anderen Verhältniſſe, in denen wir uns befinden. Gewiß, Karl, wie kann ich Dir offen ins Auge ſchauen und kann Dir ſagen: ich liebe Dich!? 4


