Ein erſter und ein letzter Ball. 11
den erſten Jahren zwiſchen Blumen und Zetteln verſtreut finden. Die kleinen, verrätheriſchen Couverts, mit zierlicher, etwas leicht⸗ ſinniger Handſchrift, ſind groß und ehrbar geworden, die Schrift⸗ züge auch feſt und ſolid; auch ſehen wir keine phantaſtiſchen Siegel mehr, zwei ſchnäbelnde Tauben, eine Wolke mit Blitzſtrahl und dem Worte:„Durch!“ ein Herz vom Pfeile getroffen, oder ein kleines zierliches Roſenknöspchen, ach! das letztere iſt im Laufe der Zeiten erblüht, und auf den letzten Briefen zur großen rothen Klatſchroſe geworden mit R&C in römiſchen Charakteren. — Ruſpel und Compagnie, ein achtbares Handlungshaus, deſſen Chef, wenn auch über die erſten Jugendthorheiten hinaus, doch noch thöricht genug war, einem Mädchen ſeine Hand bieten zu wollen, die faſt zwanzig Jahre jünger war, als er. Der alte Ruſpel, ein Wittwer, war der Jugendfreund des Kanzleirathes, und bei einem Glaſe Wein, richtiger geſagt, nach mehreren Fla⸗ ſchen, hatte Herr Ruſpel auf ein eheliches Verhältniß zwiſchen Eliſe Schmerbelich und ſich angeſpielt. Es war das nur eine ganz leichte, vielleicht ſcherzhafte Anſpielung, aber der Kanzlei⸗ rath hatte ſie augenblicklich ſehr ernſtlich aufgenommen, ebenſo die Mutter, und nicht minder Eliſe, welche die für ganz junge Mädchen ſo unbegreifliche Wahrheit, daß alles Irdiſche vergäng⸗ lich ſei, deutlich einzuſehen begann. Ruſpel und Compagnie be⸗ ſuchten ebenfalls die Muſeumsbälle; Ruſpel ſelbſt tanzte nicht mehr, höchſtens einmal eine Extratour oder eine Francaiſe, die Compagnie dagegen hatte eine junge Frau, und mußte im Schweiße ſeines Angeſichtes ſein Bischen Souper, und am Schluß des Balles ſein Gläschen ſchlechten Punſches verdienen. Es war eigenthümlich, wie die Briefe mit dem Stempel R& C ſich zeitweiſe häufig vorfanden, und dann wieder faſt


