Ein erſter und ein letzter Ball..
Seelenſtärke genug zu lächeln, als er ſieht, wie ſein Burſche die Handſchuhe vom letzten Mal auf die Sperrhölzer ſpannt, und eifrig mit Gummi elaſticum und Salmiakgeiſt bearbeitet. „Schon wieder ein Ball,“ ſagt die ältere Tochter des Canz⸗ leirathes Schmerbelich mit einem verſtohlenen Blick in den Spiegel, „Mama, ich weiß wirklich nicht,“ ſetzte ſie hinzu,„ob ich Luſt habe hinzugehen.“—„Ach! ein Ball!“ ſeufzt die jüngere, ein Backfiſchchen von ſechszehn Jahren, und blickt die Mutter mit einem unausſprechlichrührenden Ausdrucke an, während der Vater Canzleirath nach eingenommenem Kaffee mit der Pfeife im Munde dampfend auf und ab ſteigt.„Ach, ein Ball, Mama. Vor einem 2 Jahre ſagteſt du, wenn ich ſechszehn geworden ſei, dürfte ich mit⸗
ggehen.“ Dabei ſtrahlen ihre Augen und ſie athmet ſchwer und
mühſam.
„Ja, ja, wenn du einmal ſechszehn biſt,“ entgegnet die ältere Tochter;„ich glaube, daß ich faſt achtzehn war, als ich zum erſten Mal tanzen durfte.“
„Ich bin ja ſechszehn,“ erwiedert die jüngere.
„Du wirſt es erſt den nächſten Monat,“ ſagt die ältere, und Mama ſetzt hinzu:„Nun die paar Tage wären eigentlich gleichgültig, aber ich weiß nicht, ob Papa dir erlauben wird, ſo früh ſchon die Bälle zu beſuchen.“ Die jüngere Tochter iſt der Lieb⸗ ling der Mutter, und während letztere ſo ſpricht, blickt ſie nach dem Canzleirathe hin, der wie ein Dampfer rauchend im Zimmer umhergeht. 3
„Die meiſten meiner Geſpielinnen,“ fährt das junge Mäd⸗
chen fort,„gehen auch dieſes Jahr ſchon auf den⸗Ball, Müllers
Katharine und Steiners Julie und Felders Louiſe, und keine iſt
älter, als ich.“ Das ſagt ſie anſcheinend mit dem Tone der Gleich


