Ein erſter und ein letzter Ball. 3
auf deren leeren Täfelchen nur hie und da der Name eines gut⸗ willigen Hausfreundes ſproßt; unglückliche Tänzerinnen, die ſitzen bleiben, wenn die rauſchende Muſik beginnt, die nun verächtlich in das Gewühl der herumſpringenden Gänschen ſchauen, die es durchaus nicht begreifen können, wie man noch ſo jede Tour mit⸗ tanzen mag, und die ein Geſpräch vorziehen mit dem unglücklichen Vater, der nun einſtimmen muß in Klagen über die Eitelkeit dieſer Welt, über den Mangel an Geſchmack bei den jetzigen guten Leuten, über ganz unpaſſende Toiletten und was dergleichen Sachen mehr ſind, von denen der Unglückliche nicht das Geringſte verſteht. 4 „Der Ball am Samſtag wird famos,“ ſagt der junge Re⸗ ferendär oder Lieutenant, indem er an der Halsbinde zupft, ſeinen Schnurrbart ſtreicht, und weiße Glacéhandſchuhe Nro. 8. verlangt, die aber ungebührlich ausgedehnt werden müſſen, und deren Knöpfchen doppelt angenäht werden, damit ſie im Stande ſind, allen harten Zumuthungen zu entſprechen.—
„Schon wieder ein Ball!“ ſagt mit tiefem, unmuthigem Seufzer der ältere Commis eines ſehr achtbaren Kaufmannshauſes, das mit nicht zu vielem Gelde, aber mit vielen erwachſenen und tanzfähigen Töchtern geſegnet iſt.„Dieſen Winter hört das gar nicht mehr auf,“ brummte er in ſich hinein!„wenn ich auch mit
jeder nur zweimal tanzen muß, ſo macht das von vierzehn Tän⸗ zen, die überhaupt getanzt werden, ſchon zehn;— fürchterlich!“
„Schon wieder ein Ball!“ ſagt der Oberlieutenant, während er mit verſchränkten Armen am Fenſter ſteht und den herabſtäu⸗ benden Schneeflocken zuſchaut. Er hat ſchon viele Bälle mitge⸗ macht, und beinahe jeden um eine Hoffnung ärmer verlaſſen.— „Schon wieder ein Ball.“ Er zuckt mit den Achſeln, und hat


