2 Ein erſter und ein letzter Ball.
Das Wort Ball ragt in ſein harmloſes Leben, ein ſtrenger Im⸗ perativ, der befiehlt, den ſchwarzen Frack anzuziehen, und die ſteife Halsbinde, die helle Weſte und die weißen Glacéhandſchuhe; der ihm zumuthet, ſich um ſieben Uhr in den theuern Wagen zu ſetzen, mit Frau und Tochter in's Muſeum zu fahren, und dort auszuhalten, bis die Lichter von Staub und Dunſt verdunkelt ſind, bis der Nachtwächter die dritte Morgenſtunde ruft, bis einige vor⸗ laute Hähne anfangen zu krähen, und bis der unternehmendſte Lieu⸗ tenant, und ſelbſt die tanzluſtigſte Schöne nicht mehr recht herum⸗ kommen können. Da wird er ſtehen als Wandtapete, neben fünfzig andern Schlachtopfern menſchlicher Grauſamkeit, mit dem würde⸗ vollen Blick der Befriedigung, wenn das Balltäfelchen der Tochter
mit Namen angefüllt iſt, dahingegen jedoch mit einem gewiſſen
ſüßen, aber krampfhaften Lächeln, wenn die Engagements nicht
recht kommen wollen, und mit einer gewiſſen Cordialität i Mundwinkel, behufs Heranziehung junger, tanzluſtiger Individuen.
Das Engagirtwerden auf einem Balle iſt nicht nur für die be⸗ treffende Tochter oder ſonſtige Pflegbefohlene von großer Wichtig⸗ keit, ſondern das mehr oder minder beſetzte Tanztäfelchen iſt auch ein Barometer für den Vater oder ſonſtigen Beſchützer, wornach er bemeſſen kann, wie ſich der Ballabend für ihn noch geſtalten wird. Der Vater oder Ballführer von jungen Mädchen, die raſch vergriffen, d. h. zu allen Tänzen engagirt ſind, kann ſich nach der dritten oder vierten Nummer ſchon etwas Mahehnen Er kann die Nebenzimmer betrachten, darf dort mit einem Leidens⸗ bruder ein intereſſantes Geſpräch anknüpfen, ja darf ſich ſogar bis zum Buffet verirren, um vor der Souperſtunde ein wohlver⸗ dientes Glas Wein zu ſich zu nehmen. Wahrhaft unglücklich und gefeſſelt dagegen iſt der Beſchützer junger oder altlicher Damen,
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