Eine Schneeſtudie. 221
Karren und Equipagen machen kein Geräuſch, man hört nichts von dem Rollen ihrer Räder, nur das Klingeln der Schellen, welche den Pferden angehängt ſind. Wenn man ſo mehrere Stunden, nachdem der erſte Schnee gefallen, durch Straßen und über Plätze der Stadt ſchlendert, ſo ſieht man recht, wie der Verkehr die Menſchen unruhig hin und hertreibt. Dieſer Verkehr hat ſich als Fußſtapfen deutlich ausgeprägt, und letztere würden Stoff zu einem recht intereſſanten Studium geben. Weg mit jenen gleichmäßigen Schritten, die ſich quer über den Platz ziehen und in der nächſten Straße verlieren! Ihrer gibt es viele. Aber dort unter den Bäumen werden ſie von zwei Paar zierlicher Fuß⸗ ſtapfen durchkreuzt, die augenſcheinlich nicht ſehr eilig waren. Jetzt führen ſie rechts, jetzt links, jetzt laufen ſie ſogar eine Strecke wieder zurück.— Halt! hier haben ſich größe und breitere Spuren dazu gefunden, und plötzlich hören alle auf. Aber wo ſie aufhören, ziehen ſich, ſcharf in den Schnee einſchneidend, Ge⸗ leiſe von Rädern dahin, vielleicht arge, arge Verräther; wenn man ihnen folgt, käme man vielleicht zum Anfang oder Ende einer alten Geſchichte, die aber immer neu bleibt.
Das Gaslicht, welches überall flammt und ſtrahlt, er⸗
leichtert unſer Studium, denn all die Schneeſpuren, von denen
wir eben ſprachen, würden ſich bei Tageslicht flach und unbe⸗ deutend ausnehmen, bei Abend aber, ſcharf ſchattirt, ſieht man 4 ſie deutlich ausgeprägt. Hier trieb eine Bubenſchaar ihr Weſen, dort ging ein Fräulein⸗Stift ſpazieren— eine M age kleiner Fuß⸗ ſpuren und zuweilen an den Seiten der Schnee darüber hin⸗ gefegt, wo die Lehrerin gravitätiſch wandelte, die Naſe ſehr hoch, das lange Kleid ſehr tief hinten drein ſchleifend. Iſt mir doch,
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