270 Eine Schneeſtudie.
ſenkt? Auch der bewölkte Himmel, heute Morgen ſo bleifarbig und ſchwer, iſt jetzt lebendig geworden, und die grauen Maſſen ſchieben ſich hierhin und dorthin, ballen ſich und werden dichter und lichter; ja jetzt an einer Stelle ſo licht, daß ein Theil der Sonne ſichtbar wird, wenn auch die Strahlen nicht durchdringen können. Sie erſcheint incognito, feurig gelb in Geſtalt ihres Trabanten als Halbmond, prächtig, aber zürnend und als habe ſie nur mit einem einzigen Blicke ſehen wollen, ob auf der Erde noch Alles in Richtigkeit ſei, zieht aber gleich darauf wieder haſtig den dichten Wolkenſchleier vor das Antlitz und läßt von da an ihren Lauf bis zum Niedergang nur vermuthen, und zwar durch glühende Streifen, die von Zeit zu Zeit das graue Gewölk durchdringen. Zuletzt geht ſie unter in feuriger Lohe, den halben Himmel ent⸗ zündend, als wollte ſie ſagen: wartet nur bis morgen, da komm ich wieder; wehe dem, der ſich ſchlecht aufgeführt.
Wir machen es, wie man von der Sonne ſagt, und ſteigen ebenfalls hinunter in’'s Thal, in Nebel und Dämmerung. Eine Menge kleiner Bergſchlitten ſchießen an uns vorüber, luſtige Burſche darauf, mit rothen, ſtrahlenden Geſichtern, und wenn wir ihnen nicht ſorgfältig ausweichen, ſo können wir die Ebene ſchneller und vermittelſt eines andern Körpertheiles erreichen, als den uns die Natur zum Fortkommen angewieſen. Wir kommen
an den erſten Häuſern vorüber, und das Dach eines derſelben
iſt in Rauch eingehüllt, der auch zu den großen Fenſtern heraus⸗ dringt. Aber es iſt keine Feuersbrunſt: in dem Hauſe wird Bier gebraut, kaltes, friſches Bier; jetzt im Winter erzeugt, ſoll es uns im heißen Sommer, ſo Gott will, gut zu ſtatten kommen.
Einſam und ſtiller als gewöhnlich liegen die Straßen; der
Schnee hat die Leute in ihre Wohnungen geſcheucht, und die


