Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Eine Schneeſtudie. 296

und macht das ſchweigende Bild der Natur großartig und ernſt. Wir hören nur das Knirſchen des Schnees unter unſern Füßen, das Schwirren eines Vogels, der dadurch erſchreckt aufflattert und nun von dem Aſte, auf dem er geſeſſen, ein Kluͤmpchen Schnee herabwirft.

Droben angekommen, ſchauen wir in das Thal hinab, und die Landſchaft iſt durch den weißen Schnee ſo ganz anders ge⸗ worden, daß wir die wohlbekannte faſt gar nicht wieder erkennen. Dort, wo die breite Straße lief, und hier, wo zwiſchen grünen Wieſen die dunkeln Fußpfade erſchienen, iſt alles weiß zugedeckt und dagegen zeigen ſich rechts von uns an den Felſenwänden des Gebirges eine Menge dunkler Pfade, die wir früher nicht gekannt. Aber es ſind nur Riſſe im Geſtein und Schluchten wohin der Schnee nicht dringen konnte, was wir für Wege an⸗ ſehen. Den ſeltſamſten Anblick gewährt die Stadt zu unſern Füßen. Ja ſie iſt vollkommen verſchwunden; ſehen wir doch nichts als ein weites Feld mit unzähligen weißen Maulwurfs⸗ haufen; gerade ſo zeigen ſich die ſchneebedeckten Dächer. Nur der ſchwarze ſpitze Thurm der Stadtkirche ſteht finſter und trotzig wie immer und jetzt ſo einſam mitten in dem weiten Felde.

Den kleinen Fluß allein hat Winter und Schnee noch nicht verändern können, ja er trotzt dem geſtrengen Herrn und fließt dampfend durch die ſchneebedeckten Fluren. Doch wird ihm dieſer Hochmuth nächſtens gelegt werden, und alle Anzeichen müßten trügen, wenn ſich nicht heute Nacht das Wetter aufklären und ſtarker Froſt eintreten wird. Iſt doch der Hauch unſeres Mundes ſchon recht dicht geworden, knirſcht doch der Schnee unter unſern Füßen bereits mehr als vor einer Stunde; und liegt nicht auf Berg und Thal ein feiner Duft, der ſich tiefer und tiefer herab⸗