Eine Schneeſtudie.
Auch andere Bilder bringen uns die herabfallenden Flocken vor unſer Gedächtniß, den Schneemann mit den ſchwarzen Augen und der irdenen Pfeife im Munde, die Bergſchlittenpartie und endlich, als wir ſchon größer wurden, die Schlittſchuhfahrten auf den großen Teichen mit allen ihren Leiden und Freuden, von dem Tage an, wo wir anfingen und uns durch ungeheure Sterne aus⸗ zeichneten, die wir mit dem Hinterkopf in das Eis ſchlugen, bis viele Jahre nachher an dem Tage, wo wir unter den kunſtreichſten Wendungen einen Namen in das Eis ſchnitten, einen Namen, der mit großem Erſtaunen, ja mit Erröthen angeſtaunt wurde, mit letzterem von einer jungen Dame, die ſelbſt am Rande des Teiches ſtand, in Pelzſtiefelchen, ſchwarzem Mantel, grauem Muff, grünem Hut, der rechts ein Roſenbouquet, links eine weiße Schleife hatte und hinten eine ſchwarze Feder,— wenn mich mein Gedächtniß, über welches ich oder man eigentlich lachen ſollte, nicht trügt.— Ja, lachen wir darüber; ich laufe keine Buchſtaben mehr in das Eis, und das junge Mädchen von damals iſt eine dicke Dame geworden, die einen tüchtigen Schlingel auf's Eis ſchickt, der nun ebenfalls oft umpurzelt und Sterne hineinſchlägt.—
Während dieſen Betrachtungen hat der Schnee ein redlich Theil auf Haus und Straße ausgeſchüttet. Jetzt hinaus in's Freie, um das feine, jungfräuliche Gewand, welches er der Erde umge⸗ hängt, im vollſten Glanze zu ſehen. Während wir langſam den Berg hinaufſteigen, haben wir zur Rechten und Linken mächtige Bäume mit nackten Aeſten, mit tauſend Zweiglein, die auf's Eigen⸗ ſinnigſte durcheinanderſtreben und ſich von dem hellgrauen Himmel ſo haarſcharf abzeichnen, als ſeien ſie mit der feinſten Nadel auf eine koloſſale Stahlplatte gravirt. Kein Lufthauch iſt zu ſpüren, und ſo ſteht alles: Bäume, Sträucher und Gräſer in tiefer Ruhe
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