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Eine Schneeſtuͤdie. 267
weißen Flocken bedeckt, ſo fragte ich ihn lachend:„Weißt du noch, was der Schnee iſt!“ worauf er mir die gleiche Antwort wieder gab. Und das waren die letzten Worte, die ich von ihm gehört. Kurze Zeit nachher kam er einem der großen Räder zu nah und — doch wozu dergleichen blutige Erinnerungen, die ſich ſo grell ausnehmen auf dem weißen Schneehintergrunde. Gehen wir lieber noch einen Augenblick zurück zur Schule.— O, wer das zuweilen in Wahrheit könnte! Hören wir zu, mit wie wenig Andacht der Vers geſungen wird, der den Unterricht ſchließt, und ſehen wir, wie all die kleinen Stumpfnaſen und ſchelmiſchen Augen ſich dem Fenſter zuwenden und nicht mehr auf den taktangebenden Lehrer blicken.
Endlich ſchießt die wilde Brut auf die Straßen; ſchon auf der Schultreppe erſchallt einiges Geheul, denn ein Paar rutſchen aus in übergroßem Eifer oder auf den glatten Schneeſpuren, und purzeln hinab. Die Schiefertafeln klappern, die Buben lachen und ſchreien, und während einige luſtig auf dem Trottoir ſchleifen, machen die andern Schneeballen und bombardiren einander in wil⸗ der Haſt, bis eine Partie ſiegreich iſt, oder bis ein paar Ballen in die benachbarten Fenſter oder an die hoch erhobene Naſe eines achtbaren Bürgers fliegen, der zufällig vorbei ſpaziert, oder auch „bis im Schulhauſe das Fenſter klingt, ſich der Lehrer zeigt und herniederneigt, nicht ſehr ruhig, aber noch viel weniger engelmild.“
Wie benachbarte Sperlinge und Krähen durch einen Stein⸗ wurf, ſo wurden die Buben durch das eben erſchienene ernſte Geſicht aufgeſcheucht und verjagt. Die Schlimmſten thun, als haben ſie gar nicht mitgeworfen, und gehen ruhig die Straße fort, die Hände auf den Rücken gelegt, harmlos pfeifend. Unnöthige Ver⸗ ſtellung! Er wird heute Nachmittag unter euch treten und fürch⸗ terliche Muſterung halten.


