Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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4 266 Eine Schneeſtudie.

ſteine und Dachfenſter ſchwebten in der Luft, der Winter iſt lieb und uneigennützig, daß er uns gern als Hintergrund dient, auf welchem ſich die ganze Jugendzeit mit allen ihren kleinen Freuden und Leiden lebendig zeigt.

Obgleich ich ſchon ein ziemlich alter Menſch geworden bin, ſo iſt mir doch, wenn ich am Fenſter ſtehe, als hörte ich wieder das Summen der Schule und die vielen dünnen Stimmchen, welche durch einander ſchreien und das Gedicht Hebel's vortragen, das unſer freundlicher Lehrer ſtets in Erinnerung brachte, wenn draußen der erſte Schnee fiel:

Iſt droben etwa Baumwoll' feil?

Sie ſchütten wohl ein redlich Theil

Auf Haus und Garten. Schaut nur, ſchaut! Es ſchneit fürwahr, daß Einem graut.

So hieß der erſte Vers in freier Uebertragung, und er be⸗ ſchäftigte meine Phantaſie außerordentlich; wir erfanden ein neues Schneeſpiel, eine Baumwollenhandlung, und draußen machten wir kleine Pakete und verkauften ſie den Mädchen aus der Schule. Glückſelige Zeit!

Neben mir auf der Schulbank ſaß der kleine Sohn einer armen Wittfrau, der mich einſtmals fragte:Weißt du auch, Wil⸗ helm, was der Schnee eigentlich iſt? Und als ich ihn verwun⸗ dert anblickte, ſagte er:Droben klopfen die Engelchen ihre Betten aus, und die Federn, die herunter fallen, das iſt der Schnee. Dieſen Gedanken habe ich nie los werden können; nicht als ob ich daran geglaubt, ſondern aus einem andern ſehr traurigen Grunde, denn derjenige, welcher mir die Geſchichte vom Ausklopfen der Betten erzählte, kam ſpäter als Arbeiter in eine Baumwollen⸗ fabrik, und als ich ihn da einmal wiederſah, über und über mit

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