Eine Schneeſtudie.
Draußen fällt der erſte Schnee——
Es ſind große, wollige Flocken, die in weit ausgedehnten Schlangenlinien herabwirbeln vom grauen Himmel und gar nicht recht auf den Boden nieder wollen. So erſcheinen ſie uns wenig⸗ ſtens, denn wenn wir eine dieſer Flocken mit den Augen verfolgen, ſo glauben wir, ſie fliege lange, lange umher, bis ſie hernieder kommt, wo ſchon Millionen der Ihrigen ruhig bei einander liegen.— Ja es ſchneit, und wenn wir am Fenſter ſtehen und hinaus⸗ ſchauen, ſo überkommt uns ein unnennbar angenehmes Gefühl. Es iſt eigenthümlich, wie keines der Kleider, welches die Natur in den verſchiedenen Jahreszeiten anlegt, ſo geeignet iſt, alte, ſüße Erinnerungen wach zu rufen, wie der Pelzmantel des Winters. Die Natur im ſchönſten Blüthenſchmuck des Frühlings, der Som⸗ mer mit ſeinen wallenden Kornfeldern, der Herbſt gelb gelockt,
mit reifen Früchten prangend, ſie alle ſind vielleicht zu reizend,
um ein anderes Bild, als ſie ſelbſt, in uns aufkommen zu laſſen. Aber der Winter mit ſeinen weißen Feldern, den kahlen Bäumen, den ſchneebedeckten Straßen der Stadt und den Dächern, die ſich vom Himmel gar nicht abzeichnen, ſo daß man glaubt, Schorn⸗


