Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

264 Eine Regenſtudie.

Stande, aus dem Schritt und dem Gang ziemlich richtige Schlüſſe auf den Charakter der vorüberwandelnden Damen zu ziehen. Da es aber zu weit führen würde, hier darauf näher einzugehen, ſo halten wir uns dieſes Thema für eine beſondere Studie offen. Wohin aber wenden wir unſere Schritte? Das Kaffeehaus dort unten iſt bei Regenwetter ein gräulicher Aufenthalt, das Geklapper der Dominoſteine und das Klirren der Taſſen wahr⸗ haft betäubend und der Dunſt und eigenthümliche Duft, der aus den regengetränkten Ueberröcken und naſſen Schirmen emporſteigt, könnte Einem übel machen. Glücklicherweiſe neigt ſich der Tag ſeinem Ende zu, und durch den Nebel und Regen ſehen wir ſchon die Laternenanzünder mit ihren langen Stangen dahin tra⸗ ben; bald hier, bald da flammt ein Gaslicht auf, leuchtet aber trübe und röthlich durch Dunſt und Dämmerung. Die uns Be⸗

gegnenden fangen nun an, wie Schattengeſtalten vorüber zu huſchen

und werden ſeltener, Equipagen dagegen zahlreicher und rollen dumpf raſſelnd bei uns vorüber, während hoch vom Kirchthurme, der ebenfalls anfängt, ſich verdrießlich in ſein Nebelgewand zu hüllen, die Abendglocke melancholiſch niederſchallt. Jetzt wird es unangenehm auf den Straßen für menſchliche Weſen, ſelbſt Hunde und Katzen ſuchen ein trockenes Aſyl am warmen Ofen. Welches aber iſt uns beſchieden, oder vielmehr bei ſolchem Regen⸗ wetter erwünſcht? Ich weiß es, und der geneigte Leſer wird mir beipflichten eine freundlich erhellte und ſanft erwärmte Stube, ein kleiner Tiſch mit drei guten Freunden und bei herunterge⸗ laſſenen Vorhängen eine Partie Wüin mit dem Strohmann: Coeur iſt àtout.