Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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Eine Regenſtudie. 263

ihre Phyſiognomie ſo zi emlich erhalten, und neben dem über⸗ ſtrömten Pflaſter ziehen ſich die trockeneren Trottoirs dahin. Und ſo ein Spaziergang bei Regenwetter auf dem Trottoir hat für den Kenner ſchon ſeine Annehmlichkeiten. Man ſieht da ſo viel⸗ fach komiſchernſte und ernſtkomiſche Scenen, man kann ſeine Freunde zur Verzweiflung bringen, wenn man behaglich plaudernd bei ihnen ſtehen bleibt, nicht achtend des ſtrömenden Regens, der von unſerm Regenſchirm auf ihre Paletots trieft. Man kann unter dem Schutze des Regenſchirms mit ſeinen Feinden caramboliren und kann ſogar, dieſen als Schild vor ſich haltend, gegen irgend eine unangenehme Perſon ein vollkommener Grobian ſein; natür⸗ lich unter dem Riſico der Wiedervergeltung. Man kann unter dem Regenſchirm mit Perſonen ſprechen, bei denen man im hellen Sonnenſchein nicht gerne ſtehen bleibt. Haben doch die Vorüber⸗

wandelnden bei naſſem Wetter zuviel mit ihren eigenen Sachen

zu thun, um auf ihre Nebenmenſchen zu merken. Und welcher Schutz iſt ein Regenſchirm in ähnlichem Falle gegen wißbegierige Frauen und alte Jungfern, die beobachtend an ihrem Fenſter ſitzen. Gleicht doch, beſonders von oben geſehen, ein Regenſchirm dem andern und haben doch zu gleicher Zeit mit mir ſehr viele Herren Fiſcher und Müller einen von grüner Farbe. Und zu welch anmuthigen Betrachtungen veranlaßt uns die Begegnung des ſchönen Geſchlechts bei Regenwetter? Man thut aber in die⸗ ſem Falle beſſer, den gegenüber liegenden Fußpfad im Auge zu behalten, denn bei einer Seitenanſicht auf zierlich emporgehobene Kleider und feine Stiefelchen und Fortſetzung nach oben iſt man offenbar im Vortheil.

Aber auch abgeſehen von den verborgenen Schönheiten, die uns das Regenwetter enthüllt, iſt ein feiner Beobachter wohl im

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