Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

262 Eine Regenſtudie. und immerfort ſeine Regenſchleier herab und ſo beharrlich und gleichförmig, daß es uns zur Verzweiflung bringen könnte. Rück⸗ wärts auf die Stadt blickend ſehen wir nur eine vielartig ge⸗ färbte Nebelmaſſe, aus welcher hie und da ein helleres Gebäude oder ein dunkler, faſt ſchwarzer Rauch hervorbricht. Und dabei iſt es ſo ſtill rings umher; alles andere Geräuſch wird gedämpft durch das Niederfallen der Tauſende und Tauſende von Regen⸗ tropfen. Dort unten im Thale zieht die Eiſenbahn dahin, ſieht aber viel eher aus wie ein raſch vorüberfliehender Nebelſtreifen, und die Pfeife der Lokomotive, die ſonſt ſo luſtig ertönt, klingt heute hohl und melancholiſch. Dort auf dem Felde ackert ein Bauer, und der Knall ſeiner Peitſche hat gar nicht ſeinen ge⸗ wöhnlichen Klang, ſondern tönt dumpf, als ſchlüge man mit einem Stock auf einen Baumwollenballen. Der Bauer bleibt ſtehen, ſchwenkt ſeinen triefenden Hut ab und kratzt ſich hinter den Ohren, nachdem er ſeine Stirn mit dem Sacktuch abgetrocknet. Pferde und Fahrzeug bleiben ebenfalls ſtehen und dampfen ſo gewaltig, daß man alles, den Pflug, die Beſpannung und den Mann nur wie durch einen dichten Nebel ſieht. Die einzige dem Auge wohlthuende Abwechslung, die ſich jetzt auf der Fläche vor mir zeigt, kommt von dem Proſaiſchſten her, was es auf der Welt gibt, von einem baumwollenen Regen⸗ ſchirm nämlich. Doch iſt derſelbe, er gehört einer alten Bäuerin von brennend rother Farbe und thut dadurch dem Auge in dem ſchmutzigen Grau und Grün außerordentlich wohl. Entmuthigt durch den troſtloſen Anblick draußen kürzen wir unſern Spaziergang ab und kehren zur Stadt zurück, wo wir das Straßenleben durch das Regenwetter doch nicht ſo total ver⸗ ändert finden, wie draußen Wald und Flur. Die Häuſer haben

* 5 3 .