Predigt ſei ſehr mißfällig und gebe der Gemeinde ein Aer⸗ gerniß. Zu Hauſe aber eraminirte Madame Stieglitz über den Text der Predigt und über die Lieder, welche die Gemeinde geſungen hatte. Was das erſtere anbe⸗ traf, ſo konnte ich ihr den Inhalt des Vortrags immer genau und zu ihrer Zufriedenheit erzählen, mit den Liedern nahm ich es nicht ſo genau, was ihr auch nicht von großer Wichtigkeit erſchien.—
Im Stieglitzſchen Hauſe wurde recht gut gegeſſen, namentlich aber kamen Sonntags einige Gerichte mehr, ſowie auch an dieſem Tage Wein getrunken wurde; der Prinzipal leerte ſeine Flaſche mit außerordentlichem Ap⸗ petit und ward dabei zuſehends munterer und freundli⸗ cher. Er erlaubte ſich einige Späße über den Herrn Specht und die Ladenjungfer, und wenn er es nicht zu arg trieb, was aber auch nicht oft vorkam, ſo belächelte ſelbſt die Prinzipalin ſeine Einfälle. Regelmäßig an dieſem Tage erſchien; zum Nachmittags⸗ Kaffee der Pre⸗ diger unſerer Kirche, ein dicker behäbiger Mann von munterem Aeußeren und was die Frömmigkeit anbelangt, vom reinſten Waſſer. Weder in ſeinen Predigten, noch in ſeinen Reden donnerte er, wie es ſonſt bei dieſen Herren der Fall iſt, von einem eifrigen und ſtrengen Gott, der auf Wetterwolken finſter daherfahre den Men⸗ ſchen zu züchtigen für die kleinſten Schwächen, die er ſich zu Schulden kemmen ließe, nein, der Herr Pfarrer


